Gottfried Semper: Ideales Museum (1852) in: Museumsgeschichte – Kommentierte Quellentexte 1750 – 1950 Hrsg.: Kristina Kratz-Kessemeier, Andrea Meyer und Bénédicte Savoy (2010) S. 36 – 41
In seinem Aufsatz über das ideale Museum beginnt Gottfried Semper mit einer sieben Punkte umfassenden Auflistung, die seines Erachtens zur Erreichung eines idealen Museums von Nöten sind. Diese Punkte werden nach einem Ausflug in die Völker- und Museumsgeschichte erweitert und nach der eher allgemeinen Einführung spezifiziert.
Hauptthese dieser ersten sieben Punkte ist es, dass Wissenschaft und Kunst in einem Wechselverhältnis zu einander stehen und nur im Zusammenspiel das Museum zu einer Einrichtung nationaler Erziehung machen können, was für ihn von elementarer Bedeutung ist.
In seinem geschichtlichen Abriss über Sammlungen geht er bis in die chinesische Kulturepoche von Kasier Tsin Tsi (249 v. Chr.) zurück und arbeitet sich über die verschiedenen Völker in die Neuzeit vor. Dabei geht er ebenso auf die Entstehung erster Sammlungen ein, wie auf die Sitte Objekte aus fernöstlichen Ländern zu sammeln und in ungeordneter Weise zu präsentieren. Er selbst spricht von einem “phantastischen Durcheinander” dieser sowohl privaten als auch öffentlichen Sammlungen. Im 18. Jahrhundert erkennt er erstmals kritische Auseinandersetzung mit den Objekten. In dieser Zeit wurde von August dem Starken, Kurfürst von Sachen und König von Polen der Dresdner Zwinger errichtet, das erste Gebäude das allein zur “Aufnahme von Sammlungen bestimmt war”. Semper geht auf die Veränderung der Ziele von Sammlungen ein, die im Laufe der Zeit durchschritten wurden: “Dienten die ersten Kunstsammlungen rein nur als Aufbewahrungsort kostbarer und seltener Gegenstände, späterhin aber zur Unterhaltung für Kunst-, Altertums- und andere Liebhaber, so begann man schliesslich ihren Wert als Anstalten allgemeiner Belehrung zu erkennen.” Zeitgleich zu dieser letzten Entwicklung entstanden die ersten Kunstakademien. An der neueren Entwicklung die Sammlungen zu ordnen, kritisiert er, dass dieser Prozess in ganz Europa zu beobachten ist, es aber keinerlei Bestreben gibt die Sammlungen untereinander zu vernetzen und in Bezug zu einander zu setzen.
Im letzten Absatz des Textes kommt er auf seine begonnene Liste zurück und erweitert diese um konkrete Einteilungsmaßstäbe, wobei er selbst in Frage stellt, ob eine solch ideale Sammlung überhaupt erstrebenswert sei, oder ob es nicht ausreicht diese Grundsätze bei der Errichtung eines Museums zu beachten.