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Die Autostadt in Wolfsburg verspricht dem Autoabholer einen erlebnisreichen Tag bei dem die Abholung des Wagens zu einem unvergesslichen Erlebnis mit zahlreichen Höhepunkten wird. Im Gegensatz zur anonymen Abholung beim Autohaus wird Wert auf scheinbare Individualität und der Begegnung des Kunden mit dem Hersteller und seinem Produkt gelegt. Entsprechend ist diese Begegnung Zentrum der Inszenierung der Autostadt. So werden etwa in zwei Autotürmen alle Autos ausgestellt, die innerhalb der nächsten 48 Stunden abgeholt werden. Einen Mehrwert als den der Überhöhung des Fahrzeuges und der Marke gibt es nicht. Auch die Einblicke in die Produktion eines Autos in einer Ausstellung, die mit verschiedenen medialen Mitteln arbeitet wird vorgeführt. Es wird erfahrbar gemacht wie ein Auto vom Design über die Sicherheit bis hin zur Umsetzung (diese kann bei einer Führung durch die Produktion am lebenden Beispiel beobachtet werden) entsteht. Neben diesem Schwerpunkt stellt sich die Marke Volkswagen als weltoffen, innovativ im Umgang mit Umwelt und Ressourcen dar und widmet den einzelnen “Familienmitgliedern” Audi, Skoda etc. einen eigenen Pavillon in dem sich die Marke entsprechend ihrem Image präsentiert.
So mutiert der Lamborghini Pavillon zu einer Kirmesshow bei dem das Auto zum wilden Tier stilisiert wird, das wortwörtlich hinter Gittern gehalten und mit großem Brimborium ohne Einlösung des Versprechens inszeniert werden muss. Sehr bezeichnend fand ich an dieser Stelle, dass einige Autofans, die bei den Infos über die Leistungen dieses “Ungetüms” wohlwollend nickten und sich gegenseitig anstupsten, die Show vorzeitig verließen, da ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. Diese Inszenierung ist eindeutig gescheitert.
Ich persönlich muss sagen, dass ich die Autostadt nicht ernst nehmen konnte. Besonders die Lamborghini Show bestach durch Lächerlichkeit. Trotzdem scheint das Gesamtkonzept zu funktionieren, die Autostadt war gut besucht. Inkonsequenz in der Inszenierungsstrategie und dem Streben nach Begegnung zwischen Kunde und Objekt kann man VW jedenfalls nicht vorwerfen.
Das Konzept scheut auch nicht davor Kunst in den Dienst der Wirtschaft zu stellen. Im Museum auf dem Areal werden alte Autos ausgestellt, um die Meilensteine in sowohl Technik als auch Design zu präsentieren. Das Museum selbst wurde von einem Künstler “inszeniert”, was aber überhaupt nicht zum Tragen kommt und keinerlei Mehrwert bietet.
Kunst findet sich auch direkt in der Eingangshalle in der ein überdimensionaler Globus nicht nur ein Mobilitätsmotiv aufgreift, sondern vor allem als Weltausstellungsmotiv fungiert. So sonderlich es zu scheinen mag, aber in diese Geschichte reiht sich die Autostadt nahtlos ein. Zum einen wird Technik zum Objekt erhoben, das es auszustellen lohnt und zum anderen wird dem Besucher ein Gesamtpaket mit Information, Spaß, Verpflegung (die Führer werden nicht müde zu betonen in welchen Restaurants die Gutscheine eingelöst werden können) und kurzweiligem Zeitvertreib geboten.
Ein positiver Endpunkt setzte für mich ein “modernes Märchen” zum Thema Sicherheit, das im 360° Kino gezeigt wurde. Das einzige was für mich funktionierte.
Eines steht fest: ich bin für diese Art von Unterhaltung einfach nicht gemacht.